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Pflegequalität. Nicht ganz so verstaubt? Was beschäftigt die Langzeitpflege im Kanton Zürich 2023

Aktualisiert: 27. März 2023

Immer mehr Menschen werden im Alter pflegebedürftig und benötigen eine umfassende Betreuung und Pflege. Der Gesundheitszustand bei Eintritt in das Pflegeheim ist längt nicht mehr so stabil wie noch vor einigen Jahren.


Dies stellt Organisationen vor neue Herausforderungen. Denn trotz der steigenden Komplexität und Fachkräftemangel, soll die Pflegequalität auf einem hohen Niveau gehalten werden und die Bedürfnisse der Bewohner:innen bestmöglich erfüllt werden.

Eine Herkules-Aufgabe.


Zudem verändert sich das klassische Pflegeheim, denn weitere Betreuungsformen werden heute und in Zukunft gewünscht und gefordert.


Im Kanton Zürich haben Organisationen aus der stationären Langzeitpflege im Rahmen einer Umfrage von Better Nursing Ihre aktuellen Themen und Herausforderungen im Zusammenhang im Pflegebereich benannt. Das Ziel der Umfrage war die Marktanalyse im Bereich der Pflegeheime, um Erfahrungen zu sammeln, wie Better Nursing die Organisationen am besten unterstützen könnte. Da eine der Fragen viele spannende Antworten enthielt, die für alle Langzeitpflegeorganisationen von Relevanz ist, entstand dieser Blogartikel.


Methode

Die Online-Umfrage wurde an 274 Personen gesendet, die in einem im Kanton Zürich bewilligten Alters- und Pflegeheim, Pflegeheim oder Pflegewohnung arbeiten. Angeschrieben wurden Geschäftsleitungen, Pflegedienstleitungen und falls vorhanden Pflegeexpert:Innen. Die Umfrage wurde im Januar 2023 durchgeführt.

Die Rücklaufquote lag bei 17%.


Fragebogen

Die Umfrage umfasste insgesamt zehn Fragen. Diese bezogen sich auf die Organisation, zur Funktion, auf die Anstellung einer Pflegeexpert:in, Themen der Pflege, mögliche Dienstleistungen und die Finanzierung einer mobilen Pflegeexpertin.


Eine der Frage lautete: Welche Themen beschäftigen Sie aktuell in der Pflege?

Die Antwort konnte im Freitext formuliert werden.


Auswertung

Aufgrund der gehaltvollen Antworten und ausführlichen Aufzählungen, die rückgemeldet wurden, entstand dieser Blogbeitrag.

Insgesamt haben 31 Personen diese Frage beantwortet. Darunter 11 Geschäftsführer:innen, zehn Pflegedienstleitungen, sechs Pflegeexpert:innen, zwei Personen aus dem Bereich QM oder Bildung und zwei weitere Personen ohne Angabe ihrer Position.

Funktion

Anzahl Antworten

Geschäftsleiter:in

11

Leitung Pflege und Betreuung

10

Pflegeexpert:in

6

Bildung und Qualität

2

Keine Angabe

2

31 Antworten Total

Aus den Freitextantworten wurde in einem ersten Schritt ein Mindmap erstellt und zusammenhängende Cluster gebildet. Passende Clustertitel wurden gewählt und die Häufigkeit der einzelnen Themen berechnet.


Ergebnisse

Die Hauptbereiche, die die Alters- und Pflegeheime, Pflegeheime und Pflegewohnungen im Kanton Zürich im Bereich der Pflege aktuell beschäftigen sind:

  • Konzepte und Standards

  • Fachkräftemangel

  • Qualität

  • Demografie/ Politik

  • Organisation

Nachfolgend werden die einzelnen Themen näher diskutiert.

Pflegeheime im Kanton Zürich beschäftigen aktuell der Fachkräftemangel (Skill Grade Mix, Rekrutierung), Konzepte und Standards (Palliative Care, Gerontopsychiatrische Pflege) Qualität (Pflegeprozess, Wissenserhaltung) Demografie/Politiv (Pflegefinanzierung, EDP) und Organisation (Zusammenarbeit, Digitalisierung)
Ergebnisse der Umfrage (2023) Gliederung in die 5 Themen. Je grösser der Text innerhalb eines Themas, desto häufiger wurde dieser genannt.

Konzepte und Standards

In diesem Themenbereich wurden einige pflegerische Konzepte genannt, darunter mehrfach Palliative Care, Gerontopsychiatrische Pflege, Demenz-, Wund- und Bezugspflegekonzept. Zudem wurden Themen wie die Familienzentrierte Pflege, Hygiene, Advanced Care Planning (ACP), Medikamentenmanagement, Kinästhetik, Dekubitus und Zahnmedizinische Versorgung genannt.

Diese Konzepte und Themen sind im Langzeitpflegebereich von hoher Relevanz.

Die Themen sind breit und umfassend.


Es gibt jedoch wenig Hinweise auf Konzepte, welche aus den seit 2019 obligatorischen Medizinischen Qualitätsindikatoren (MQI) heraus entstanden sind. Diese beinhalten Schmerz, Sturz, freiheitseinschränkende Massnahmen und Mangelernährung. Einzig das Medikamentenmanagement (Polymedikation) wurde genannt.

Nichtsdestotrotz zeigen die Ergebnisse, dass unabhängig von den MQI viele pflegerelevante Themen bearbeitet werden.


Qualität

Im Bereich der Pflegequalität wurde besonders die Erhaltung, Erweiterung und Vertiefung von Wissen genannt. Dicht gefolgt vom Pflegeprozess. Dazugehörig sind die Pflegediagnosen nach NANDA-I, die Pflegedokumentation sowie die Leistungserfassung und Einstufung. Weitere genannte Themen waren die Qualitätsindikatoren, komplexe Bewohnersituationen, Nachhaltigkeit (von Wissen und Qualität), die Erhöhung und Sicherung von Qualität, der Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP), die Einführung neuer Pflegeexpert:Innen sowie Bestrebungen zu einer Zertifizierung.


Das Thema Wissenserhalt scheint ein präsentes Thema in der Langzeitpflege zu sein.

Der Anteil an diplomierten Pflegefachpersonen ist deutlich geringer als in anderen Sektoren des Gesundheitswesens und hat sich mit der Corona Pandemie zudem verschärft. Zudem geht mit der Fluktuation Know-How weg von der Organisation.

Das könnte erklären, weshalb der Wissenserhalt mehrfach genannt wurde.


Organisation

Im Themenbereich der Organisation finden sich die Pflegeheime des Kanton Zürichs in einer Wandlungsphase. Sie beschäftigen sich stark mit der Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Fach- und Management sowie die Pflege mit dem ärztlichen Dienst.

Weitere Themen sind Digitalisierung, Innovation, Prozesse, Entwicklung und Transformation. Einige Organisationen streben den Abbau von Hierarchien und die Bildung agiler Teams an.


Alles andere als verstaubt.


Demografie/ Politik

In Bezug auf die Demografie und Politik sind neben der steigenden Multimorbidität auch die Finanzierung und die Abbildung und Abgeltung von gerontopsychiatrischen Pflegekosten Themen, die die Organisationen beschäftigen. Die Veränderungen in der Mittel- und Gegenständeliste (MiGel) seitens des Bundesamts für Gesundheit sowie das Elektronische Patientendossier (EPD), welches seit April 2022 verpflichtend ist, sind ebenfalls genannt worden. Diese Themen wurden zwangsweise bearbeitet und boten in den letzten Jahren einige Herausforderungen.


Fachkräftemangel

Im Personalbereich sind die Langzeitpflegeorganisationen aufgrund des Fachkräftemangels gefordert. Krankheitsausfälle sowie unbesetzte Stellen erfordern herausfordernde Stellenpläne, die wiederum zu vermehrten Krankheitsabwesenheiten führen können.

Die Rekrutierung ist ein weiteres zentrales Thema.

Die Arbeitsplatzattraktivität, die Dienstzeiten sowie die Löhne spielen dabei eine wichtige Rolle. Abwerbungen von anderen Organisationen sind dabei hinderlich, kommen jedoch vor. Der Einsatz der Mitarbeitenden im Skill & Grade Mix ist ebenfalls genannt worden.


Der Fachkräftemangel zeigt sich deutlich auch in der Langzeitpflege.


Diskussion

Insgesamt zeigt die Umfrage von Better Nursing, dass die stationäre Langzeitpflege im Kanton Zürich sich intensiv mit der mit der Optimierung ihrer Abläufe, der Verbesserung der Pflegequalität und der Bewältigung des Fachkräftemangels auseinandersetzen.


Diese Themen benötigen viele interne Ressourcen und sind meist von längerfristiger Dauer. Die Erstellung, Implementierung und stete Evaluation erfordern spezifisches Fachwissen.


Zudem deuten die Themen verschiedene Flugebenen an. Eine Transformationen von einem Alters- zu einem Pflegeheim ist anders einzuordnen als die Einbindung einer zahnmedizinischen Versorgung.


Nichtsdestotrotz sind alle genannten Themen von hoher Relevanz. Die Ausprägung und Priorisierung wird in den einzelnen Betrieben unterschiedlich sein. Doch scheint es gemeinsam zu sein, dass die Pflegequalität für die Teilnehmenden der Umfrage wichtig ist.


Aus der Umfrage heraus war es kein primäres Ziel repräsentative Aussagen über den Langzeitpflegebereich zusammenzufassen. Ich hoffe dennoch dieser Beitrag inspiriert Organisationen pflegerelevante Themen anzugehen, dranzubleiben und sich wenn nötig von umliegend Unterstützung zu suchen.


Jennifer Kummli

Pflegeexpertin APN/ MScN



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