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Die Zukunft der Langzeitpflege der Schweiz: Herausforderungen und Chancen


Die stationäre und ambulante Langzeitpflege in der Schweiz steht vor bedeutenden Herausforderungen.

Demografische Veränderungen, Fachkräftemangel, Finanzierung, Qualitätssicherung und technologischer Fortschritt prägen die Zukunft der stationären und ambulanten Pflege. Doch mit diesen Herausforderungen gehen auch zahlreiche Chancen einher. In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Herausforderungen und Chancen der künftigen stationären und ambulanten Langzeitpflege in der Schweiz.


Demografische Entwicklung

Im Jahr 2019 sind in der Schweiz 13,4% der Bevölkerung zwischen 65 bis 79 Jahre alt und 5,3% sind 80-jährig oder älter. Folglich ist im Jahr 2019 knapp ein Fünftel (18,7%) der gesamten Bevölkerung mindestens 65-jährig. Bis ins Jahr 2040 wird der Anteil der Bevölkerung 65+ von knapp einem Fünftel (18,7%) auf einen Viertel (24,4%) ansteigen.

Dadurch wird der Bedarf an Langzeitpflege bis 2040 stark steigen.


Um das 80. Lebensjahr liegt eine «Schwelle», nach der gesundheitliche Einschränkungen und Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronische Leiden der Atemwege, muskuloskelettalen Krankheiten und neurokognitive Erkrankungen zunehmen. Oft führt dies zu einer Pflegeabhängigkeit.

Es wird geschätzt, dass die Zahl der benötigten Langzeitbetten um den Faktor 1,6 zunehmen wird, was bei einer Durchschnittsgrösse von 30 Betten pro Pflegeheim bedeutet, dass zusätzliche 921 Pflegeheimen entstehen müssen. Ebenso wird der Bedarf an Spitex-Dienstleistungen um den Faktor 1,5 steigen, während betreute Wohnformen um den Faktor 1,4 zunehmen​​ (Obsan Bericht 03/2022).


Die demografische Entwicklung und damit einhergehende Nachfrage bietet die Möglichkeit zur Entwicklung spezialisierter Dienstleistungen und Organisationen sowie den Ausbau der Infrastruktur. Der Wachstum in der Branche​​ wird auch künftig stark sein. Zudem gibt dies eine grössere Jobsicherheit als in allen anderen Branchen.



Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist eine der grössten Herausforderungen in der Langzeitpflege. Es wird immer schwieriger, genügend qualifiziertes Pflegepersonal zu finden, was den Druck auf bestehende Mitarbeitende erhöht. Egal wie viel wir ausbilden, es wird nicht genügen. Mehr Pflegeheime zu bauen wird ohne Fachkräfte, die pflegen nicht machbar sein.

Zudem erschwert die hohe Ausstiegsquote die Bedarfsdeckung. Diese liegt bei diplomierten Pflegefachpersonen bei 42%. Und sie steigen früh aus. Viele bevor sie 35 Jahre alt werden (Lobsiger & Liechti, 2021).

Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen zeigen zudem, dass die meisten Stellenanzeigen der Schweiz Pflegefachperson adressieren (Jobradar, 2023).


Job Radar 2023

Der Fachkräftemangel kann jedoch auch positive Aspekte haben. Es kann durch das umkämpfen der Fachkräfte zu besseren Arbeitsbedingungen, wie beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Lohn etc. führen. Initiativen zur Personalentwicklung und -bindung werden wichtiger​​.

Denn Mangel fördert Innovationen. Neue Organisationsstrukturen und Versorgungsmodelle können dadurch entstehen, wie die seit 5 Jahren stete Ansteigung der Anstellung Pflegenden Angehörigen. Weiter wird die interprofessionelle Zusammenarbeit gestärkt, denn die, die noch da sind müssen näher zusammenarbeiten.


Finanzierung

Die Finanzierung der Langzeitpflege ist eine weitere zentrale Herausforderung. Die Kosten steigen, und neue Finanzierungsmodelle müssen entwickelt werden, um die Pflege nachhaltig zu gestalten​​.

Die Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung werden heute je nach Bereich (ambulant, stationär, Pflege) unterschiedlich finanziert, was zu diversen Fehlanreizen führt. Das Parlament hat am 22. Dezember 2023 eine KVG-Änderung zur einheitlichen Finanzierung der Leistungen verabschiedet (EFAS). 

Bei der Vorlage ist vorgesehen, dass die Pflege erst 7 Jahre nach Einführung (Voraussichtlich 2032) hinzugefügt wird.

Nichtsdestotrotz ändert EFAS die heutige Finanzierung und kann zu einer besseren integrierten Versorgung führen.


Doch der VPOD hat gegen EFAS ein Referendum eingereicht und die erforderlichen Unterschriften sammeln können. Das Volk entscheidet nun im Herbst/Winter dieses Jahres.


Klar ist: Die Finanzierung muss künftig ändern, sonst droht vielen Organisationen der Untergang, trotz steigender Nachfrage. Es wird nur das angeboten, was auch rentiert, was zur Unterversorgung bestimmter Personengruppen führen kann. 


Die Auseinandersetzung mit den Pflegekosten kann jedoch zu effizienteren Modellen führen. Die Pflege ist und bleibt Gespräch in den Medien und in der Politik. Sie wird dadurch zunehmend als wertschöpfender Bestandteil des Gesundheitssystems anerkannt.


Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung ist essenziell, um in der ambulanten und stationären Langzeitpflege hohe Standards zu gewährleisten. Angesichts der steigenden Nachfrage ist es wichtig, dass Pflegeeinrichtungen ihre Qualität kontinuierlich erhalten und verbessern können. Qualitätsindikatoren sind hier eine Möglichkeit Teilaspekte der Pflegequalität zu überprüfen.

Organisationen werden auch künftig gefordert sein ihre Pflegequalität auszuweisen. Qualitätslabels und Zertifizierungen könnten hierbei zentraler werden.


Die vermehrte Nachfrage nach pflegerischen Leistungen und die Angst der Politik der Mengenausweitung bedeuten, dass die pflegerischen Leistungen von den Kostenträgern weiterhin stark überprüft werden.


Doch nicht nur von den Kostenträgern sondern auch von den Kund:innen. Die aktuell alternde Generation informiert sich und wird genausten beurteilen, von wem sie Pflege erhalten möchte.


Um eine optimale Qualität künftig anbieten und halten zu können ist es wahrscheinlich, dass der Zugang zur Pflege begrenzt werden muss, oder beispielsweise Wartelisten eingesetzt werden müssen.


Ein verstärkter Fokus auf die Erhaltung und Verbesserung der Qualität kann künftig den Organisationen helfen, sich zu profilieren und dadurch am Markt bestehen zu bleiben.

Mehr Daten zur Qualität der Pflege der Schweiz werden weiter helfen den Bedarf, die Qualität und die Kosten(-ersparnisse) besser auszuweisen. Eine weitere Chance liegt darin, dass künftig Aus- und Weiterbildungsmassnahmen noch wichtiger werden als heute.


Technologischer Fortschritt

Die Gesundheitsbranche ist weniger digitalisiert als andere Branchen.  Dies aufgrund der starren Regulatoren und Strukturen, Interoperabilitätsprobleme, hohen Datenschutzanforderungen und Widerstand – auch seitens der Pflege.


Pflegeroboter

Der technologische Fortschritt kann jedoch auch neues erschaffen. Beispielsweise neue Berufsfelder wie Telepflegespezialist:in, Robotik-Expert:in, genomische Pflegeberater:in oder Datenanalyst:in im Gesundheitswesen. Die heutigen Berufsrollen werden sich ändern und einige heute rein pflegerische Interventionen werden durch technische Innovation übernommen und unterstützt.

Das kann den Dokumentationsaufwand reduzieren, Entscheidungshilfen für Pflegefachpersonen geben und kann mehr Zeit für die direkte Pflege​​ schaffen.

Arbeiten, die nicht rein pflegerisch sind werden können zudem die Effizienz und die Pflegequalität verbessert​​.


Fazit

Die Langzeitpflege in der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen, die jedoch auch erhebliche Chancen bieten. Durch innovative Ansätze, gezielte Investitionen, Überarbeitung der Finanzierung, Fokus auf Qualität sowie den gezielten Einsatz moderner Technologien. Dies kann dazu führen, dass die Pflegebranche gestärkt aus diesen Herausforderungen hervorgeht und weiterhin sich viele Personen für und nicht gegen diesen Beruf entscheiden.


Better Nursing GmbH ist bestrebt, diese Entwicklungen aktiv zu begleiten und zu unterstützen, um einen Beitrag zu leisten, dass eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Pflege in der Schweiz weiterhin sichergestellt wird.


Wir unterstützen und begleiten Organisationen auf dem Weg für mehr Pflegequalität.


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Jennifer Kummli

Pflegeexpertin APN/ MScN, Geschäftsführerin Better Nursing

Jennifer


145 Ansichten1 Kommentar

1 Comment

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Guest
Jun 01
Rated 5 out of 5 stars.

Diesen Weg zu gehen, bietet eine grosse Chance. Es braucht allerdings den Mut im Management sich den Herausforderungen trotz aktueller Situation zu stellen. Unterstützend in der Langzeitpflege ist ANP' s einzustellen bzw. die Kompetenzen, wie Better Nurse zu nutzen.

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