Die Abwärtsspirale der Sturzangst
- carolesteiger

- 4. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Einleitung
Die Sturzprophylaxe ist ein alltägliches Thema in der Spitex, wie auch im Langzeitbereich. Für viele Klient*innen ist die Angst vor dem einem Sturz bei jedem Schritt präsent und beeinflusst viele Aspekte ihres Alltages. Die Sturzangst ist einer von zehn Faktoren, welche beim multifaktoriellen Assessment vom StoppSturz Manual für die Spitex erfragt wird (Birnea et al., 2021). Von dem Phänomen Sturzangst können grundsätzlich alle Personen betroffen sein, jedoch betrifft sie vor allem ältere Menschen. Bis zu 50% der älteren Menschen sind von Sturzangst betroffen (Lange & Raatz-Thies, 2024).

Definitionen
Die Angst ist ein subjektives Gefühl. Sie wird den Basisemotionen zugeordnet und kann im Allgemeinen als Schutzmechanismus für Unversehrtheit interpretiert werden (Lange & Raatz-Thies, 2024).
Folgendermassen wird Sturzangst definiert: „Sturzangst beschreibt die Furcht, bei üblicher, gewohnter Fortbewegung und/oder Alltagsaktivitäten einen Sturz zu erleiden, unabhängig von einer vorangegangenen Sturzerfahrung“. Dabei beinhaltet die Angst nicht nur die Angst vor dem Sturz an sich sondern auch die Angst von den Folgen des Sturzes, wie die nicht mehr selbst aufstehen zu können, sich zu verletzten, hospitalisiert zu werden, die Selbstständigkeit zu verlieren und gar die eigene Wohnung verlassen zu müssen. (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023)
Ursachen von Stuzangst
Folgende Ursachen von Sturzangst sind definiert:
Physische Ursachen | Psychische Ursachen |
Körperliche Schwäche | Sturzerfahrung |
Alter | Selbstwahrnehmung |
Ko- und Multimorbidität | Gesteigerte Aufmerksamkeit für die Faktoren, die Stürze begünstigen können |
Auswirkung der Sturzangst
Die Sturzangst kann ein Ausmass annehmen, welche dazu führt, dass Betroffene ihre üblichen physischen und sozialen Aktivitäten einschränken. Dies führt zu einer Abwärtsspirale mit einer Zunehmenden körperlichen Schwächung und erhöhten Sturzgefahr. (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023)

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist eine komplexe Aufgabe, welche im interprofessionellen Team angegangen werden muss (Lange & Raatz-Thies, 2024)
Sturzanamnese
Wird bei einer Klientin / einem Klienten eine moderates Sturzrisiko erkannt, sieht das StoppSturz Manual vor, dass eine Sturzanamnese durchgeführt wird. Bei einem hohen Sturzrisiko kommt ergänzend ein multifaktorielles Assessment dazu. Das bedeutet, dass in der Sturzanamnese die Klient*innen gefragt werden, ob sie an Sturzangst leiden. Wird diese Frage bejaht, wird das Fokusassessment «Short Falls Efficancy Scale International (Short FES-I)» empfohlen. Darin wird befragt, bei welchen Aktivitäten die Sturzangst auftritt und in welcher Stärke. (Birnea et al., 2021)
Massnahmen
Präventiv ist ein ist es sinnvoll, einen geistig und körperlich aktiver Lebensstil zu führen. Dies steigert die Selbstwirksamkeit und das Vertrauen. Die dadurch erhöhte psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) begünstigt die Selbstbestimmung und Sicherheit im Alltag. (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023)
Vom StoppSturz Manual werden folgende Interventionen empfohlen(Birnea et al., 2021):
Ursachen erkennen und ursächliche Faktoren angehen (z.B. Aufstehen vom Boden trainieren, wenn das die Angst der betroffenen Person ist)
Physiotherapie empfehlen, um die Mobilität zu fördern
Beizug einer Psychiatrie-Pflegefachperson für ein Desensibilisierungstraining
Das Ziel ist es, die Abwärtsspirale zu durchbrechen und die Selbstwirksamkeit der betroffenen Person zu stärken.

Carole Steiger
Pflegeexpertin MScN
Better Nursing GmbH
5. Literaturangabe und Leseempfehlung
Birnea, M., Höhn, S., Jenkins, R., Karabegovic, A., & Wilmes, F. (2021). StoppSturz Vorgehen Spitex. Manual. PHS Pubil Health Services.
Bruderer-Hofstetter, M., & Knuchel-Schnyder, S. (2023). Faktenblatt 82—Sturzangst. Gesundheitsförderung Schwiez.
Lange, C., & Raatz-Thies, M. R. (2024). Phänomen Sturzangst. Heilberufe, 76(11), 30–32. https://doi.org/10.1007/s00058-024-3700-8


Kommentare