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Das verzerrte Bild des Pflegeberufes

Aktualisiert: 27. März 2023


Titelbild des Blogs. Das verzerrte Bild des Pflegeberufes. Pflegefachperson mit verschränkten Armen und hochgezogener Augenbraue.Bild mit DALL-E erzeugt.
Das verzerrte Bild des Pflegeberufes. Bild mit DALL-E erzeugt.

Oh graus wenn man in Google Bilder das Suchwort "Krankenschwester" eingibt.


Ist das immer noch das Bild der Pflege in der Öffentlichkeit?


Glücklicherweise sieht es bei "Pflegefachfrau" oder "Nurse" besser aus.


Wie können wir das veraltete und verzerrte Bild der Pflege in der Öffentlichkeit aufbessern?


Dieser Blogartikel handelt über das Selbstimage, Berufsstolz und das öffentliche Bild der Pflege. Zudem gibt es konkrete Antwortmöglichkeiten auf provozierende Fragen wie: "Warum studierst du Pflege und nicht Medizin? und Tipps für mehr Berufsstolz.


Was die Öffentlichkeit zum Beruf der Pflege sagt

"Auf einem Notfall zu arbeiten ist doch viel interessanter als an einem Computer Excel Tabellen abzuarbeiten. Daher muss der Lohn nicht hoch sein. Schliesslich arbeitet man mit Menschen und erhält so viel Wertschätzung", propagierte Lukas Engelberger (Präsident Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK) in der Arena zum Thema "kommt jetzt der Pflexit?".


Dass man auf dem Notfall nicht selten geschlagen und angespuckt wird, war für ihn wohl überraschend. Claudia Soltermann (Dipl. Expertin Notfallpflege) konnte Engelberger Paroli bieten.

Claudia Soltermann gibt Lukas Engelberger Paroli
Claudia Soltermann mit Lukas Engelberger

Über die Pflege wird seit Corona und seit der Pflegeinitiative viel berichtet. Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist grösser denn je. Einige Artikel wirken abschreckend, zeigen Missstände und schüren Ängste vor der Zukunft.


Das hilft leider nur bedingt. Man wird schon bemitleidet in diesem Berufsfeld zu arbeiten.


Das Bild des Pflegeberufes in der Öffentlichkeit variiert je nach Region und Kultur. In einigen Ländern und Regionen wird der Beruf der Pflege als sehr wichtig und respektiert angesehen, während er in anderen weniger Anerkennung erfährt.

Der D-A-CH Bereich ist da eher bei den letzteren einzuordnen. Beim Vertrauen ist die Pflege in der Schweiz jedoch gleich nach den Feuerwehrleuten auf Platz zwei zu finden (Knecht, 2021).


In Skandinavien würde niemand auf die Idee kommen, den Rat einer Pflegefachperson auszuschlagen und sofort nach einer Ärztin oder einem Arzt zu rufen (Barth, 2022). Auch in den USA sah ich bei meinen letzten Besuchen vor der Corona Pandemie unzählige Autos, bei denen hinten dran ein Aufkleber mit "proud to be a nurse" klebte.


Im Rahmen der Pflegeinitiativkampagne gab es ähnliche Aufkleber in der Schweiz.

Ich habe mich über jeden, den ich gesehen habe gefreut.


Proud to be a nurse Aufkleber auf der Auto Heckscheiber
Proud to be a nurse Aufkleber

Pflegerinnen und Pfleger

In den Medien wird die Pflege häufig falsch betitelt. Kürzlich veröffentlichte der SBK dazu ein ein Merkblatt für die Berichterstattung.


Doch nicht nur die Betitelung auch das Ansehen des Berufes widerspiegelt sich in den Medien.


"Es fehlen nicht mehr nur hoch qualifizierte Informatiker und Ingenieure, sondern auch mittel und tief qualifizierte Arbeitskräfte in der Gastronomie und Pflege" (Fargahi 13.01.23, Tagesanzeiger).


Diese Aussage zum Artikel Fachkräftemangel hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Der Beruf der Pflege gehört ganz sicherlich nicht zu den mittel oder tief qualifizierten Arbeitskräften.

Es gibt verschiedene Berufe in der Pflege, von der SRK, AGS, FaGe, HF, FH, Master bist zum Doktortitel.


Eine ganze Bandbreite.


Vor allem an Pflegefachpersonen mit Diplom mangelt es. Weltweit werden bis 2030 bis zu 19 Millionen Pflegefachpersonen fehlen (ICN, n.D.). Damit sind Pflegende mit einem Abschluss einer höheren Fachschule oder eine Fachhochschule gemeint.


Warum studierst du Pflege und nicht Medizin?

Vom Tellerwäscher zum Millionär. So ist nicht nur der American Dream sondern auch das Bild, der Öffentlichkeit, wie die Pflege funktioniert.

Doch die Frage "Warum bist du Pflegefachperson und nicht Ärztin geworden?", ist keine logische Frage. Einen Journalisten fragt man auch nicht weshalb er Journalist und nicht Dichter geworden ist.

Daher ist es wichtig wenn eine solche Frage kommt, dass man sie gewitzt beantworten kann und sich nicht provoziert fühlt.


Beispielsweise könnte man antworten:


- Warum fragst du mich nicht, was ich als Pflegefachperson mache? Wenn du das verstehst, verstehst du auch weshalb ich Pflege und nicht Medizin studiere.


- Hättest du nicht lieber jemanden an deinem Krankenbett, der so intelligent ist wie ich? Wenn alle intelligenten jungen Frauen und Männer den Arztberuf wählen würden, wer würde dann die Kranken fachkundig und kompetent versorgen? (Buresh & Gordon, 2006).


Und wenn du verstummt bist, dann schicke doch im Nachhinein den Link vom Poetry Slam von Leah Weigand, die treffend auf die Aussage: "Was, du arbeitest in der Pflege? Das könnte ich nie!". eine Antwort verfasst hat. Hier zum Video.


Pflegen kann jede/r

Die Kampagnen mit denen junge Menschen auf professionelle Pflege aufmerksam gemacht werden sollen, erwecken oft den Anschein: "Kommt alle zu uns, Pflege kann jede/r erlernen. Bei uns seid Ihr aufgehoben, Hauptsache das Herz ist am rechten Fleck, Ihr seid belastbar und mögt es, mit Menschen zu arbeiten" (Zegelin & Meyer, 2021).

Doch so einfach ist es nicht. Dieses Bild des Pflegeberufes gilt es zu revidieren. Genauso soll eine SRK Ausbildung nicht einfach als einfachste Lösung aus dem Status des Arbeitssuchenden von der ALV verkauft werden.


Pflegen kann jede/r, oder? Frau die den Boden reinigt, sagt, sie mache Frau Prutzke auch gleich mit sauber.
Pflegen kann jede/r, oder?

Nicht von Aussen sondern von Innen. Mit Berufsstolz

Das verzerrte Bild der Öffentlichkeit können wir selber verändern. Wenn wir stolz auf unseren Beruf sind, können wir das auch nach Aussen tragen.

In einer Online Umfrage gaben 85% der Pflegefachpersonen an, stolz auf ihren Beruf zu sein (Scharfenberg & Teglas, 2019).


Berufsstolz ist nicht überheblich.

Berufsstolz hilft Stress, Erschöpfung und Überforderung zu verringern. Er erhöht die Selbstwirksamkeit, Zufriedenheit, Freude und Kompetenz (Quernheim, 2020).


Berufsstolz und damit ein positives Selbstimage ist Voraussetzung für ein gutes öffentliches Image der Pflege. Ist das Image der Pflege gut, werden sich mehr für eine Ausbildung im Pflegebereich entscheiden und Berufsausübende länger im Beruf verweilen. Denn die Erhaltung und Wiedergewinnung des Pflegepersonals müsste über der Ausbildungsoffensive stehen.


Weiter benötigt es den Einbezug von Berufsstolz in die Ausbildung. Durch die Stärkung des positiven Selbswertgefühls in der beruflichen Sozialisation (Julier-Abgottspon et al. 2023). Sowie den zeitnahen Realitätscheck. Denn es gibt nichts frustrierendes als nach der Ausbildung zu merken, dass man nicht so pflegen kann, wie es gelernt wurde. Das schlechte Gewissen und der emotionale Distress wird so täglich grösser.


Mehr im Fokus und daher sichtbarer

Trotz dieser Herausforderungen gibt es in der Öffentlichkeit auch positive Entwicklungen. Nicht zuletzt wegen der Corona Pandemie.


So gibt es weltweit mehr Aufklärungskampagnen und Initiativen, die dazu beitragen, das Image der Pflegeberufe zu verbessern und die Arbeit von Pflegefachpersonen besser zu würdigen.


Die WHO rief das Jahr 2020 als das Jahr der Pflege aus.


Das war es auch. Unbestritten.


Insgesamt ist die öffentliche Wahrnehmung des Pflegeberufs komplex und hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt sowohl Herausforderungen als auch positive Entwicklungen, die dazu beitragen, das Image des Pflegeberufs zu verbessern und die Arbeit von Pflegekräften angemessen zu würdigen.


Erzähle in deinem Umfeld konkret, was du genau in der Pflege machst. Schreibe darüber. Engagiere dich im Berufsverband oder bei den Gewerkschaften. Tausche dich mit anderen Pflegenden aus. Schau über den Tellerrand.


Verzichte darauf dich bei der nächsten Fasnacht als sexy Krankenschwester zu verkleiden. Klebe dir besser einen "proud to be a nurse" Aufkleber an dein Auto.



Mit (Berufs-)Stolz

Jennifer Kummli




 

Literatur

Barth, J. M. (2022). Warum Berufsstolz in der Pflege so wichtig ist und wie du ihn übst. heruntergeladen von https://medwing.com/DE/de/magazine/artikel/berufsstolz-in-der-pflege/ am 23.01.23


Buresh, B. & Gordon, S. (2016). Der Pflege eine Stimme geben. 1. Aufl. Bern: Verlag Hans Huber. Hogrefe AG.


ICN (International Council of Nurses, n.D.). The Global Nursing shortage and Nurse Retention. Heruntergeladen von https://www.icn.ch/sites/default/files/inline-files/ICN%20Policy%20Brief_Nurse%20Shortage%20and%20Retention_0.pdf am 25.01.23


Julier-Abgottspon, E., Brunner-Pfaffen, S. & Eissler, C. Selbstimage und öffentliches Image des Pflegeberufs: eine quantitative und qualitative Querschnittsstudie. Präv Gesundheitsf18, 138–144 (2023). https://doi.org/10.1007/s11553-021-00930-0


Knecht, R. (2021). Diese Berufe geniessen das grösste Vertrauen, Heruntergeladen von https://www.moneyland.ch/de/vertrauen-studie-berufe-schweiz-2022 am 25.01.23


Quernheim, G. (2020). Berufsstolz ist lernbar. Heruntergeladen von https://pflege-professionell.at/berufsstolz-ist-lernbar am 23.01.2023


Zegelin, A., Meyer, G. Pflegen kann jede*r!. Pflegez74, 20–23 (2021). https://doi.org/10.1007/s41906-021-1001-2


Scharfenberg, E. & Teglas, I. (2019). Pflege ist stark!: Gelebte Ideen und Zukunftsimpulse. Hannover: Vincentz.


Titelbild: Erstellt mit DALL-E.


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