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Das erste Businessjahr - wenn die Sonne scheint und du dann plötzlich im Regen stehst

Der erste Geburtstag von Better Nursing naht


Im Frühling 2022 entschied sich Jennifer Kummli sich als mobile Pflegeexpertin selbständig zu machen und gründete Better Nursing. So startete eine spannende und lehrreiche Zeit.


In diesem Blogartikel berichtet sie über die Sonnen und Schattenseiten des Selbstständig-Seins, dem persönlichen Warum, über die Learnings aus diesem ersten Jahr sowie über ihre Zukunftsvisionen.

 

Die Sache mit dem Mut

Viele fragten mich im letzten Jahr, weshalb ich mich selbständig gemacht habe und gaben mir zu verstehen, dass sie dies eine sehr mutige Entscheidung fänden.


Es war kein Mut.

Mir war klar, ich werde jederzeit wieder einen Job in der Pflege erhalten, wenn ich es denn möchte.


Für mich war es in diesem Moment klar und das einzig Richtige.


Ich wollte mich nicht verpflichten irgendwo um 7 Uhr zu stehen und loszulegen. Das ist mir als Mutter eines Kleinkinds zu stressig. Zudem wünschte sich eine leise Stimme in mir schon lange "mein eigenes Ding" zu starten.

Dieser Stimme nach zu gehen stellte mich vor einen Scheideweg. Ich hatte zeitgleich 2022 begonnen Yoga Stunden im Rahmen einer Yogaausbildung zu unterrichten.

Ich entschied mich dann, den Fokus auf Better Nursing zu setzen und nur ab und an als Vertreterin der Vertetung Yoga zu unterrichten.


Business Start und jetzt?

Fully commitet das Start Up Better Nursing voranzutreiben mit dem Ziel die Pflegequalität in der Spitex zu unterstützen und zu fördern, startete ich meine LinkedIn Aktivität erneut und eignete mir viel neues Wissen an. Zu Themen wie digitales Marketing, SEO, Social Media, Storytelling, Digital Business, Verhandlungen und vielem mehr.

Podcasts waren mir dazu am hilfreichsten. Herausfordernd waren für mich total fremden Bereiche Verkauf, Versicherungen, Buchhaltung und Rechnungen.


Alles Dinge, die nicht sehr nah an der Pflege sind.


Für ein eigenes Business jedoch unabdingbar.


Bei Themen, mit denen ich nicht warm wurde, oder Unsicherheit verspürte, holte ich mir entsprechende Coaches und Firmen zur Hilfe. So bin ich nun glücklich mit einer digitalen Treuhänderin und einem Versicherungsbroker unterwegs. Coachings von Branchenkennern bezog ich ab und an, je nach Fragestellung und Finanzen.


Erst durch die Inputs von Aussen und durch entsprechende Anfragen, öffnete ich die Dienstleistungen auch für den stationären Langzeitpflegebereich. Denn der Bedarf und die Notwendigkeit sind da.


Das Warum

Für mich war die Vision klar. Ich möchte mit den Dienstleistungen von Better Nursing Spitexorganisationen die bestmöglichste Unterstützung in der Pflegequalität geben. Nur 6.6% der Pflegeexpert:innen mit Masterabschluss arbeiten in der Spitex.

Viele Organisationen haben keine eigene Pflegeexpertin, aus Gründen der Verfügbarkeit oder aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen. Siehe auch Blog "Im Rahmen der tausend Rollen einer Pflegeexpertin".

Mein Herzblut schlägt für die Spitex. Selbst jahrelang darin gearbeitet und als pflegende Angehörige hautnah die Wichtigkeit dieser Arbeit miterlebt.


Zuhause leben und sterben

Meine geliebte Grossmutter konnte mit Hilfe der Spitex Linth Zuhause bis zum Ende sein. Sie war in den letzten Monaten fast komplette bettlägerig, hatte zwischenzeitlich einen VAC Verband, Dauerkatheter und einen sehr hilflosen Ehemann.

Ihr Todestag jährte sich am 19. April 2023 zum 6. Mal.


Sie lebte in einem Restaurant/Hotel, welches sie selbst jahrelang führte, dabei Köchin, Servicemitarbeiterin und Haushälterin war. Zudem eine begeisterte Bergsteigerin, die mit 50 Jahren erst dieses Hobby entdeckte und in wenigen Jahren über 100 Berge mit über 4000 Meter Höhe bestieg. Schau dir gerne das inspirierende Interview von ihr aus dem Jahr 2011 bei Aeschbacher an:

Meine Grossmutter war fleissig, immer auf Trab, voller Energie und stets guter Laune.

Daher war die Bettlägerigkeit für sie der absolute Horror.

Sie wollte ungehindert der erschwerten wohnlichen Bedingungen unbedingt Zuhause bleiben. Keinesfalls wollte sie ihr "Bahnhöfli" verlassen, in dem sie schon so viele Jahrzehnte wohnte.


Die Familie und die Spitex haben diesen Wunsch respektiert, getragen und ihr bestmögliches getan.


Für mich war sie eine wichtige Bezugsperson und ein absolutes Vorbild, das mich nach wie vor antreibt.


Die Sonnenseiten des Business

Sich selber zu organisieren, zu planen und selber Entscheidungen treffen sind für mich wunderbare Dinge in der Selbständigkeit. Die gewonnene Flexibilität ist Gold wert. Es bedarf dazu einer gehörigen Portion Selbstdisziplin und Durchhaltewillen. Aber auch in mir weilt eine kleine Bergsteigerin.


Eine meiner grössten Freuden waren die Personen, die ich auf dem Weg kennenlernen durfte. Im letzten Jahr durfte ich viele Persönlichkeiten aus dem Bereich Pflege und Gesundheitswesen kennenlernen. Im Angestelltenverhältnis hätte ich mich nie getraut auf diese zuzugehen, oder sie wären vermutlich nicht auf mich zugekommen..

Ein eigenes Business hat mir den Boost, die Motivation und die gefühlte Berechtigung dazu gegeben.


Das im Kontakt sein gefällt mir. Ich schätze Teamarbeit und den Austausch umso mehr, da ich bisher mehrheitlich alleine unterwegs bin. Schulungen durchzuführen liebe ich. So ergaben sich auch bereits Kollaborationen im Bereich Schulungen, die wir weiter verfolgen werden.


Weiter liebe ich es eine Organisation in der Tiefe kennenzulernen, mich zu integrieren und den Wachstum der Pflegequalität von Innen und Aussen einer Organisation zu beobachten und nachhaltig zu begleiten. Das spornt mich an.


Von Freudentänzen zu grossen Finanzängsten

Ein Start Up zu gründen bringt viele neue Gefühle mit sich.

Angenehme, wie unangenehme.

Die Freude und Dankbarkeit, dass jemand mit mir arbeiten will, empfinde ich jedesmal als grossartig. Da gab es schon den einen oder anderen Freudentanz.


Der Abschied jedoch von einer Kund:in kann dafür ganz neue neue Ängste und Unsicherheiten auslösen, die ich zuvor noch nie gefühlt habe. Planbarkeit ist je länger je wichtiger, denn alles andere kann Stress und Druck verursachen.


Stress verursachen können auch die Social Media Posts. Gerade wenn ich keine Zeit fand diese vorzuplanen und sie dann gefühlt aus dem Ärmel schüttle. Die vielen schriftlichen und mündlichen Wertschätzungen zu meinen Social Media Aktivitäten geben mir Motivation weiterzumachen, auch wenn ich nur sehr sehr bedingt daraus Kunden gewonnen habe. Denn einige meiner Kund:innen haben gar kein LinkedIn Profil. Nichtsdestotrotz bleibe ich auch hier ausdauernd, solange die Positiven Rückmeldungen überwiegen. Schlussendlich sehe ich es auch als Kontaktpunkt einer potentiellen Kundenjourney.


Natürlich schwang auch manchmal in den Feedbacks von Berufskolleginnen ein Unterton mit, ob ich denn nichts anderes zu tun habe.


Money Rain im ersten Jahr?

Ein Start Up macht dich materiell nicht reich.

Zumindest sicher nicht im Gründungsjahr.

Ich habe mir sehr wenig Geld ausbezahlt und auf Pensionskassenbeiträge verzichtet.

Es war bisher viel Arbeit für wenig Geld.

Mit dem Unterschied, dass ich es für mich und mein eigenes Business tue. Und jeden Rappen selbst verdient habe.


Natürlich ist das Ziel gleich viel oder eher mehr als im Angestelltenverhältnis zu verdienen. Schliesslich trage ich grössere Risiken als im Angestelltenverhältnis.

Denn ohne Einkommen- keine Zukunft für dieses Business.


Zukunftspläne

Ich sehe grosses Potenzial in "der Spitex der Zukunft" und einige Herausforderungen, die es in den kommenden Jahren zu meistern gibt.


Daher möchte ich auf jeden Fall das Team ausbauen. Ich möchte mehr Pflegeexpert:innen ins Boot holen. Denn gemeinsam können wir noch viel besser agieren, reagieren und kreativer an die Dinge herangehen.


Künftig plane ich einen Podcast zu starten. Die inspirierenden Gespräche, die ich erleben darf, sollen alle Interessierten zur Verfügung stehen.

Ausgerüstet und voller Interviewideen bin ich bereits.


Würdest du dir einen Podcast zum Thema Stimme der Pflege anhören?

  • Ja

  • Nein


Motto aus dem ersten Jahr

Jeden Tag dranbleiben. Dort wo deine Energie hin fliesst, da passiert die Magie.


Hast du Fragen, Anmerkungen oder Feedback zu diesem Blogartikel oder im Allgemeinen?


Schreibe gerne einen Kommentar oder schreibe deine Nachricht direkt an info@betternursing.ch



Deine

Jennifer



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